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Zahnarzt bei Kleinkindern

Angst vor dem Zahnarzt bei Kleinkindern – Ursachen und Behandlung

Ängstliches Kind beim Zahnarzt
Ängstliches Kind beim Zahnarzt scheut vor Bohrer zurück

Dass Kinder aus der Sicht von Erwachsenen oft eine übertriebene Angst an den Tag legen, hat einen guten Grund. Es ist eine von der Evolution eingebaute Schutzfunktion. Ein sehr kleines Kind verfügt weder über eine vollständig ausgebildete Motorik noch über die Fähigkeit des logischen Denkens. Durch die Angst wird dafür gesorgt, dass das Kind Gefahren, soweit sie erkennbar sind, aus dem Weg geht oder eben darauf mit Hilferufen und Weinen reagiert, in der Hoffnung, von den Eltern beschützt zu werden.

Das ist aber nicht alles. Kinder besitzen eine sehr hohe Sensibilität, die ihnen hilft, bestimmte Gefühlslagen wahrzunehmen. Vor allem sind sie sehr eng mit ihren direkten Bezugspersonen, in der Regel Mutter und Vater, über die Gefühlsebene verbunden. Kinder spüren die Stimmungslagen ihrer Eltern und können schon sehr früh beispielsweise angespannte Situationen wahrnehmen. Dazu gehören auch Ängste wie etwa der vor dem Zahnarztbesuch.

Lässt sich Zahnarztangst vererben?

Im genetischen Sinne ist die Angst vor dem Zahnarzt natürlich nicht vererbbar, aber Kinder lernen durch Zusehen und sie lernen anhand von Verhaltensmustern. Eltern, die selbst Angst vor dem Zahnarzt haben, übertragen diese Angst unbewusst auf das Kind. Dazu kommt, dass Eltern mit Zahnarztangst eher selten den Zahnmediziner aufsuchen, wodurch es für das Kind schwierig wird, eine Vertrautheit zur Praxis aufzubauen.

Das ist der eine Aspekt in Bezug auf die Angst von Kleinkindern gegenüber dem Zahnarzt. Dem kann dadurch begegnet werden, dass sich das Kind mit der Umgebung einer Zahnarztpraxis vertraut machen kann. Wenn es geht, so früh wie möglich. Das ist durchaus auch schon dann möglich, wenn noch keine Milchzähne wachsen.

Der zweite Aspekt liegt in der Kontaktaufnahme zwischen dem Kind, der Praxisumgebung und dem Personal sowie dem oder der Zahnärztin. Kinder werden dabei durch alle Sinne beeinflusst. Über das Sehen, das Tasten oder Berühren, das Hören sowie das riechen werden hierbei die wichtigsten Eindrücke vermittelt.

Welches sind die besten Voraussetzungen?

Wie schnell sich oder ob sich ein Kind überhaupt mit der Praxisumgebung vertraut macht, hängt also von seinen Sinneseindrücken ab. Das bedeutet, dass zu laute Geräusche, zu fremdartige und eventuell abstoßende Gerüche und ebenso entsprechende optische Eindrücke vermieden werden sollten. Allerdings gibt es hierfür kein Patentrezept, denn selbst Kleinkinder besitzen unterschiedliche Charaktere. Aber es gibt durchaus einige allgemeingültige Regeln, die fast immer funktionieren.

Das beginnt schon bei der farblichen Gestaltung einer Zahnarztpraxis. Das zwar klinisch rein wirkende und neutrale Weiß oder auch das modische Grau sind für kleine Kinder eher ungeeignet. Sie bieten keinerlei optischen Orientierungspunkt. Besser sind Farben, die das Kind mit vertrauten Dingen assoziieren. Vor allem Blau, Grün und Braun in verschiedenen Tönungen. Es sind typische Farben der Umwelt und besitzen eine beruhigende Wirkung. Wer so eine Praxis finden möchte, sollte sich einmal bei speziell auf Kinder spezialisierten Zahnärzten umschauen.

Natürlich lässt es sich in einer Zahnarztpraxis kaum vermeiden, das hin und wieder unangenehme Gerüche, wie die von Desinfektionsmitteln auftreten. Im Großen und Ganzen sollten jedoch angenehme Gerüche vorherrschen oder einfach frische Luft dominierend sein. Gerade Kinder nutzen bestimmte Sinneseindrücke, um ihr Gedächtnis zu schulen. Dabei werden auch Gerüche mit Situationen verknüpft, wobei eine Wechselwirkung entsteht. Grundsätzlich überlagert der eher negative den des positiven oder neutralen Eindrucks. Das hängt wiederum mit der eingangs erwähnten Schutzfunktion zusammen.

Der wohl wichtigste erste Sinneseindruck – Das Hören

Moderne Dentalinstrumente erzeugen heute kaum noch unangenehme Geräusche. Diese tragen dementsprechend eher weniger dazu bei, dass ein Kind ängstlich reagiert. Dafür sind Stimmen in der Lage, Angst zu erzeugen. Eine hohe Stimme und eine schnelle Sprechweise signalisieren dem Kind zum Beispiel, dass etwas nicht in Ordnung ist. Eine eher tiefe Stimmlage und langsames Artikulieren hingegen wirken beruhigend, es droht keine Gefahr. Es gibt hierzu für Praxispersonal und Zahnärzte sogar rhetorische Schulungen. Eine durchaus lohnende Investition, denn das Kind von heute kann so zum Stammkunden von morgen werden.

Die erstmalige Behandlung eines Kindes beim Zahnarzt sollte sich auf eine Untersuchung beschränken. Das Kind soll erkennen, dass durch die Berührung im Mund keine Gefahr oder Schmerzen drohen. Dabei wäre es gut, wenn ein Elternteil dabei sein könnte, damit das Kind eine Bezugsperson hat, die beruhigend wirkt. Dem Kind jedoch schon im Voraus zureden, das es keine Angst haben muss oder das es nicht wehtut, ist ganz falsch. Es erzeugt ohne Grund ein Angstgefühl, denn noch weiß das Kind ja nicht, was kommt.

Für den Zahnarzt ist Geduld von größter Bedeutung. Jede Art von Zwang muss unbedingt vermieden werden und was genauso wichtig ist: die Kommunikation mit dem Kind. Je nach Alter könnte ein guter Einstieg sein, dass der eigene Vorname genannt wird und danach die Aufforderung an das Kind, seinen Namen ebenfalls zu nennen. Dieser Name sollte dann im folgenden Gespräch immer wieder auftauchen, um eine persönliche Beziehung aufzubauen.

Ein Zahnarztbesuch ist immer auch ein zwischenmenschlicher Kontakt. Das gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Sympathie und Antipathie sind hierbei unabhängige Gefühle, die nicht der fachlichen Qualifikation eines Mediziners untergeordnet sind. Für das Kind als Patient ist es enorm wichtig, dass die „Chemie“ zwischen ihm und dem Arzt stimmt. Im schlimmsten Fall kann eine Antipathie eine lebenslange Zahnarztphobie auslösen, wenn das Kind gezwungen wird, bei einem bestimmten Arzt in Behandlung zu gehen, den es rein gefühlsmäßig ablehnt. Darum kann die Suche nach einem passenden Zahnarzt auch schon einmal etwas aufwendig werden, was sich allerdings in jedem Fall lohnt.

 

Stefanie Hoder Redakteurin
Stefanie Hoder Redakteurin

Autorenprofil/ Über den Autor:

Dieser Gastbeitrag stammt von Stefanie Hoder. Sie ist für die Dürrschmidt Dentalhandels GmbH in der Redaktion tätig. Recherchen und Kooperationen im Bereich Zahngesundheit gehören zu den bevorzugten Themengebieten.

 

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